Zum Hauptinhalt springen

Presse

Hessische Hausärzte warnen vor Fehlsteuerung: „Wer an der Basis spart, treibt die Kosten nach oben“

Frankfurt am Main, 17.4.2026 - Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen übt scharfe Kritik am Referentenentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG). In einer Resolution ihrer Delegiertenversammlung warnen die Hausärztinnen und Hausärzte vor gravierenden Fehlanreizen – und vor einer gesundheitspolitischen Fehlsteuerung. Sie fordern grundlegende Korrekturen. Die Delegiertenversammlung fand am Rande des 18. Hausärztinnen- und Hausärztetages statt. 

„Wer an der ersten Versorgungslinie spart, bekämpft nicht die Ursachen der Krise – er verschärft sie“, sagt der Landesvorsitzende Christian Sommerbrodt. „Haus- und Facharztpraxen sind nicht das Problem, sondern ein zentraler Teil der Lösung. Wer hier kürzt, riskiert höhere Kosten, längere Wege und eine schlechtere Versorgung.“

Zwar sei das Ziel, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren, grundsätzlich richtig. Der vorliegende Entwurf setze jedoch an der falschen Stelle an, heißt es aus dem Verband. Statt strukturelle Probleme zu lösen, werde ausgerechnet die ambulante Versorgung geschwächt – mit absehbaren Folgen für das gesamte System.

Der Entwurf bleibe ein reines Konsolidierungsgesetz: Er begrenze Ausgaben, ohne die strukturellen Ursachen der Kostenentwicklung anzugehen – und verschiebe die Probleme damit in die Zukunft. Nachhaltige Beitragssatzstabilität lasse sich so nicht erreichen.

Eingriffe ohne Expertenkonsens

Besonders kritisch sieht der Verband zentrale Eingriffe in die hausärztliche Versorgung, die nicht auf Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit beruhen. Maßnahmen wie die geplante Fixkostendegression oder die Begrenzung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) gehen bewusst über den Expertenkonsens hinaus.

Die Fixkostendegression führe dazu, dass alle niedergelassenen Praxen für zusätzliche Versorgung schlechter vergütet werden. „Das ist betriebswirtschaftlich widersinnig und bestraft ausgerechnet diejenigen, die mehr Patientinnen und Patienten versorgen“, sagt Sommerbrodt.

Auch die HZV werde ausgebremst: Ein Modell, das für bessere Koordination, höhere Qualität und effizientere Versorgung steht, werde politisch gedeckelt. „Erfolgreiche Versorgungsmodelle werden hier nicht gestärkt, sondern systematisch klein gerechnet“, so Sommerbrodt.

Fehlende Steuerung bleibt ungelöst

Ein zentrales Problem bleibt aus Sicht des Verbandes unangetastet: die fehlende Steuerung im System. Ein verbindliches Primärarztsystem, das Patientinnen und Patienten gezielt durch die Versorgung führt, sucht man im Gesetzentwurf vergeblich.

„Ohne klare hausärztliche Steuerung und fachärztliches Terminangebot bleiben Wartezeiten lang, Versorgungswege ineffizient und die Patienten bleiben auf der Strecke“, warnt Sommerbrodt. „Dass zentrale Strukturprobleme erneut ausgeklammert werden, ist nicht nachvollziehbar.“

Sparen an der falschen Stelle

Gleichzeitig kritisieren die Hausärzte eine unausgewogene Lastenverteilung. Während Milliardenbeträge in der ambulanten Versorgung eingespart werden sollen, sei dieser Bereich bereits heute strukturell unterfinanziert.

Hinzu kommt die geplante Erhöhung der Zuzahlungen um 50 Prozent. Sie treffe vor allem chronisch kranke und einkommensschwache Menschen – und erhöhe den Druck auf die Praxen zusätzlich.

Forderung nach echtem Kurswechsel

 Der Verband fordert einen grundlegenden Richtungswechsel: weniger kurzfristige Sparpolitik, mehr strukturelle Reformen. Dazu gehören die Stärkung der Primärversorgung, Investitionen in Nachwuchs und Praxisteams sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die Niederlassung.

„Wenn wir die GKV stabilisieren wollen, müssen wir die Versorgung besser organisieren – nicht sie schwächen“, sagt Sommerbrodt. „Ohne ausreichend niedergelassene Haus- und Fachärzte wird dieses System weder bezahlbar noch funktionieren.“

Die Botschaft der Delegiertenversammlung ist eindeutig: Eine stabile gesetzliche Krankenversicherung ist nur mit einer starken ambulanten Versorgung möglich – nicht gegen sie.

Resolution

Pressekontakt:
Gundula Zeitz
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen e. V.
Tel.: 01718132671
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.