ApoVWG: Hessische Hausärztinnen und Hausärzte warnen vor Gefährdung der Patientensicherheit
Bad Soden-Salmünster, 15. November 2025 – Die Delegiertenversammlung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen warnt eindringlich vor den geplanten Regelungen des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG). Die vorgesehenen Eingriffe in die Aufgabenverteilung zwischen Apotheken und Arztpraxen gefährden nach Einschätzung des Verbandes die Patientensicherheit, schwächen hausärztliche Strukturen und schaffen neue Fehlanreize – ohne die Praxen tatsächlich zu entlasten, heißt es in einer Resolution, die die Delegierten am Wochenende auf ihrer Versammlung in Bad Soden-Salmünster verabschiedet haben.
„Medizinische Entscheidungen gehören in ärztliche Hände“
„Das Gesetz führt nicht zu mehr Versorgung, sondern zu mehr Verwirrung“, sagt Christian Sommerbrodt, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen. „Medizinische Entscheidungen gehören in ärztliche Hände. Wer Diagnostik, Impfungen oder Medikationsentscheidungen aus dem Zusammenhang der hausärztlichen Gesamtbehandlung reißt, riskiert Fehlbehandlungen. Das schadet Patientinnen und Patienten – und am Ende auch Apothekenteams.“
Die Delegierten kritisieren, dass das ApoVWG originär ärztliche Tätigkeiten in Apotheken verlagert und damit das Primärarztsystem unterläuft. Anstatt Verantwortung zu bündeln, entstünden parallele Versorgungswege, Informationsverluste und zusätzlicher Koordinationsaufwand.
Zentrale Kritikpunkte der Delegiertenversammlung:
- Gefährdung der Patientensicherheit: Ärztliche Verantwortung wird ausgehöhlt – ohne klinische Gesamtschau drohen Fehleinschätzungen.
- Keine Entlastung der Praxen: Rückfragen und Korrekturen nach apothekenseitigen Maßnahmen erzeugen Mehraufwand.
- Fragmentierung der Versorgung: Informationsbrüche und fehlende Dokumentation erschweren die Betreuung, vor allem bei chronisch Kranken.
- Ökonomische Fehlanreize: Die geplante Lockerung des Trennungsgebots zwischen Verordnung und Abgabe birgt Interessenkonflikte.
- Schwächung der hausärztlichen Koordination: Parallele Strukturen unterminieren das Primärarztprinzip.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert deshalb eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes. Vorrang müsse eine Versorgung haben, die sich am Patienten orientiert: durch klare ärztliche Verantwortlichkeiten, eine starke hausärztliche Steuerung und eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen ärztlichen Praxen und Apotheken.
„Hausärzte und Apotheker arbeiten seit Jahren gut zusammen – aber jede Profession mit ihrer eigenen Rolle“, betont Sommerbrodt. „Wenn die Politik Versorgung verbessern will, muss sie das Primärarztsystem stärken und nicht durch unkoordinierte Parallelwege schwächen.“
Die Resolution im Wortlaut
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