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Presse

Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen fordert gesetzliche Verankerung moderner Praxisstrukturen

Bad Soden-Salmünster, 15.11.2025 - Um dem demografischen Wandel und der Zunahme chronischer Erkrankungen zu begegnen, fordert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen e. V. (HHÄVH) gezielte strukturelle und gesetzliche Reformen. „Die Zukunft der Versorgung liegt eindeutig ambulant vor stationär – und in wohnortnahen, interprofessionellen und digital vernetzten Hausarztpraxen“, heißt es in einer Resolution, die die Delegiertenversammlung des HHÄVH am Wochenende verabschiedet hat.

Darin fordern die Delegierten unter anderem die gesetzliche Verankerung moderner Praxisstrukturen: So sei die Einführung spezifischer Finanzierungstitel im SGB V (§ 87b) für Einzelpraxen, Teampraxen und interprofessionelle Modelle wünschenswert. Zudem müssten die Quartiersstrukturen gestärkt werden, indem Case Management und quartiersbezogene Koordination in SGB V und XI aufgenommen und kommunale Gesundheitsnetzwerke gefördert würden.

Bundesweiter Fonds zur Anschubfinanzierung von Netzwerken

Es bedürfe klarer, bundesweiter Regelungen für Delegation und Vergütung von Tätigkeiten qualifizierter Gesundheitsfachpersonen wie etwa Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAH), Primary Care Manager (PCM), Physician Assistants oder Pflegeexpert:innen. Nicht zuletzt solle ein bundesweiter Fonds zur Anschubfinanzierung von Netzwerken, Teamstrukturen und Personalentwicklung im ambulanten Bereich geschaffen werden.

Integration erfolgreicher Versorgungsmodelle in die Regelversorgung

„Erfolgreiche Versorgungsmodelle müssen in die Regelversorgung integriert werden – ohne zeitlich begrenzte Projektlogik“, heißt es in der Resolution. Darin nennen die Delegierten drei Beispiele: das Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen Diemelsee e. V., ein regionales Netzwerk im Kreis Waldeck-Frankenberg mit Case Managern, Pflege und Ehrenamt, außerdem CURANDUM Wiesbaden, ein Quartiersmodell mit Telemedizin, Sozialarbeit und Management – und das Konzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell“ (HÄPPI) des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. Das HÄPPI-Konzept, das in Baden-Württemberg bereits in der Regelversorgung etabliert ist, setzt unter anderem auf die Zusammenarbeit in interprofessionellen Teams unter der Leitung einer Hausärztin oder eines Hausarztes und auf die effiziente Nutzung digitaler Werkzeuge.

Ziel aller drei Modelle ist es, die Versorgung durch Bündelung von Fachwissen und Ressourcen zu verbessern, die Hausärztinnen und Hausärzte zu entlasten und eine qualitativ hochwertige, patientenzentrierte Versorgung sicherzustellen. 

„Die Zukunft der Versorgung liegt eindeutig ambulant vor stationär – in wohnortnahen, interprofessionellen und digital vernetzten Hausarztpraxen. Die ambulante Medizin ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt braucht es politischen Mut, die gesetzlichen Rahmenbedingungen endlich anzupassen – für eine verlässliche, patientennahe und qualitativ hochwertige Versorgung“, heißt es in der Resolution.

„Wenn Politik und Selbstverwaltung jetzt nicht handeln, droht der Verlust tragender Strukturen der Primärversorgung – mit unmittelbaren Folgen für Patientensicherheit, Versorgungsqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so die Delegierten des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen.

Die Resolution im Wortlaut

Pressekontakt:

Gundula Zeitz;
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit HÄVH
Tel.: 0171 8132671
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