3. Evidenzbasierte Modelle können als Wegweiser dienen:
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- PORT Willingen-Diemelsee: Reduktion von Notfallkontakten, verbesserte Prävention, nachweisbare Patientenzufriedenheit.
- CURANDUM Wiesbaden: Quartiersnahe Versorgung, Telemedizin und Sozialarbeit – Entlastung des stationären Bereichs und höhere Lebensqualität.
- HÄPPI – Hausärztliches Primärversorgungszentrum: Interprofessionelle Teampraxis mit digitaler Unterstützung, erstmals HZV-finanziert und in Baden-Württemberg bereits in der Regelversorgung etabliert.
Diese Modelle belegen: Teamarbeit, Quartiersorientierung und Digitalisierung funktionieren – wenn sie finanziell und rechtlich abgesichert sind.
Forderungen
- Gesetzliche Verankerung moderner Praxisstrukturen: Einführung spezifischer Finanzierungstitel im SGB V (§ 87b) für Einzelpraxen, Teampraxen und interprofessionelle Modelle.
- Vergütung delegierter Leistungen: Klare, bundesweite Regelungen für Delegation und Vergütung von Tätigkeiten qualifizierter Gesundheitsfachpersonen (z. B. VERAH, PCM, Physician Assistants, Pflegeexpert:innen).
- Quartiersstrukturen stärken: Aufnahme von Case Management und quartiersbezogener Koordination in SGB V und XI; Förderung kommunaler Gesundheitsnetzwerke.
- Digitalisierung verbindlich gestalten: Einheitliche, interoperable Standards für sektorenübergreifende Kommunikation und digitale Triageverfahren; Finanzierung digitaler Infrastruktur aus Strukturfonds.
- Strukturfonds für Primärversorgung: Bundesweiter Fonds zur Anschubfinanzierung von Netzwerken, Teamstrukturen und Personalentwicklung im ambulanten Bereich.
- Integration erfolgreicher Modelle in die Regelversorgung: Überführung erprobter Konzepte wie HÄPPI, CURANDUM und PORT in die flächendeckende Versorgung – ohne zeitlich begrenzte Projektlogik.
- Die primärärztliche Versorgung braucht ein Drittel des ärztlichen Nachwuchses.
- Größere Fokussetzung auf die hausärztliche Medizin im Rahmen des Medizinstudiums.
- Bessere Förderung der hausärztlichen Weiterbildung.
- Komplette Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung, insbesondere auch für hausärztliche Gesprächsleistungen.
Politischer Appell
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen fordert Bundesregierung, Landesregierung und die Selbstverwaltung auf, die Weichen für eine zukunftsfeste Primärversorgung jetzt zu stellen. Ein „Weiter so“ ist keine Option.
Die Zukunft der Versorgung liegt eindeutig ambulant vor stationär – in wohnortnahen, interprofessionellen und digital vernetzten Hausarztpraxen.
Die ambulante Medizin ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt braucht es politischen Mut, die gesetzlichen Rahmenbedingungen endlich anzupassen – für eine verlässliche, patientennahe und qualitativ hochwertige Versorgung in ganz Hessen.
Die Delegierten des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen e. V., Bad Soden Salmünster, 15.11.2025