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Presse

Hausärzteverband Hessen appelliert an alle Parteien:
Stärkung der Hausarztpraxen nicht aus dem Blick verlieren!

Bad Soden-Salmünster, 16.11.2024 - Angesichts der dramatischen Lage der Hausarztpraxen appelliert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen an alle Parteien, die dringend erforderlichen Reformen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Wir brauchen ein Primärarztsystem zur Patientensteuerung, die Entbudgetierung der hausärztlichen Leistungen und eine Stärkung und Modernisierung des Medizinstudiums“, heißt es in einer Resolution, die die Delegierten des Landesverbandes am Samstag in Bad Soden-Salmünster einstimmig verabschiedet haben. Ohne diese Maßnahmen sei die wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen massiv gefährdet.

Die Resolution im Wortlaut:

Mit Blick auf das Ende der Ampel-Regierung erinnern wir daran, dass alle Parteien wiederholt versprochen haben, die hausärztliche Versorgung stärken zu wollen. Bei Lippenbekenntnissen darf es nicht bleiben: Nicht nur der Bundesgesundheitsminister und die gesamte Ampelkoalition, auch die Oppositionsparteien stehen bei den Hausarztpraxen und bei den Patientinnen und Patienten im Wort.

Die Lage ist ernst, und das ist seit langem bekannt. Mehr als 95 Prozent der Behandlungsfälle in Deutschland werden ambulant erbracht und die größte Versorgungsgruppe sind die Hausärztinnen und Hausärzte. Doch schon jetzt fehlen bundesweit 5.000 Hausärztinnen und Hausärzte, in Hessen sind es 250. Dazu kommt, dass bundesweit rund 40 Prozent der praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte älter als 60 Jahre sind – in Hessen sind es 41 Prozent. Damit ist klar, dass sich die Situation in den kommenden Jahren extrem zuspitzen wird. Es ist unverantwortlich, die dringend erforderlichen Reformen nicht anzugehen und die wohnortnahe hausärztliche Versorgung sehenden Auges vor die Wand zu fahren.

Fest steht: Wir brauchen ein Programm zur Rettung der hausärztlichen Praxen. Dazu gehört aus unserer Sicht:

  • ein Primärarztsystem zur Patientensteuerung: Der Zugang zur nächst höheren Versorgungsebene muss über die Hausärztinnen und Hausärzte laufen. So lassen sich eine unkoordinierte Inanspruchnahme des Gesundheitssystems verhindern und eine Über- und Unterversorgung mit medizinischen Leistungen eindämmen.
  • die Entbudgetierung aller hausärztlichen Leistungen in Form einer „Hausarzt-Morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV): Ist das Honorarvolumen aufgebraucht, müssten die Krankenkassen nachschießen.
  • die Stärkung und Modernisierung des Medizinstudiums durch Umsetzung der Reform der Approbationsordnung sowie durch Schaffung weiterer Studienplätze, auch um dem gesellschaftlichen Wandel gerecht zu werden.

Wenn die jetzige Regierung dazu nicht in der Lage war, die dringend erforderlichen Reformen umzusetzen, muss sich die nächste Regierung um diese Themen kümmern – und das vorrangig, andernfalls droht der ambulanten hausärztlichen Versorgung ein Desaster.

Die Delegierten des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen
Bad Soden-Salmünster, 16.11.2024

 

Pressekontakt:
Gundula Zeitz, Pressereferentin HÄVH, Tel.: 0171 8132671, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.