Bundesverband: "Unsere Praxen sind nicht der Notnagel für die Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft.“
Berlin, 17. Oktober 2024 – Heute soll das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) im Bundestag beschlossen werden. „Diese Krankenhausreform geht auf Kosten der hausärztlichen Versorgung. Sie wird die Rahmenbedingungen für die Hausarztpraxen verschlechtern“, kritisieren Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier. „Leidtragende werden die Patientinnen und Patienten sein, die auf die bewährten hausärztlichen Strukturen angewiesen sind", betonen die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.
Das ursprüngliche Ziel des KHVVG sei gewesen, ineffiziente stationäre Strukturen zu optimieren und zu entlasten, betonen Buhlinger-Göpfarth und Beier. Diesen sinnvollen Weg habe das Gesetz in wesentlichen Teilen längst verlassen, es bewege sich stattdessen in die völlig entgegengesetzte Richtung. So sollen bestimmte Kliniken hausärztliche Versorgung übernehmen. "Im Klartext bedeutet das: Statt dafür zu sorgen, dass es in Zukunft noch ausreichend Hausarztpraxen gibt, will die Politik die Menschen in den betroffenen Regionen lieber direkt in die Kliniken schicken. Anstatt mehr Ambulantisierung zu wagen, ist das Gesetz nichts anderes als ein 'Verstationierungsturbo'. Das wird der Versorgung schaden und neue Kosten verursachen. Hausärztliche Versorgung gehört in die Hausarztpraxen und nicht in anonyme Krankenhäuser", so die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.
Die Arbeit der hausärztlichen Praxen basiere auf langjährigen, individuellen Beziehungen zu den Patientinnen und Patienten. Das könne ein Krankenhaus nicht leisten. Stattdessen würden die Menschen in genau jene ineffizienten Strukturen gelenkt, denen die Bindung und das Know-how für eine gute und umfassende hausärztliche Versorgung fehlen.
"Die Kliniken werden sich einige lukrative Leistungen herauspicken. Alle anderen Aufgaben, wie Hausbesuche oder die intensive Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten, würden weiterhin von den Hausarztpraxen übernommen werden müssen. Gleichzeitig entstehen für die Praxen neue finanzstarke Konkurrenten im Kampf um Fachkräfte. Das wird den Personalmangel in den Praxen noch weiter verschärfen. Anstatt die Praxen zu entlasten, droht so eine zunehmende Schwächung. Anstelle einer Bündelung der Verantwortung, wird die Versorgung weiter zerstückelt. Das ist ein Schritt weg von einer sinnvollen Modernisierung der Krankenhausstrukturen", so die Befürchtung. "Um das ganz klar zu sagen: Unsere Praxen sind nicht der Notnagel für die Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft", betonen Buhlinger-Göpfarth und Beier.
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