Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V.
Bleibtreustraße 24
10707 Berlin
Tel.: 030 887 143 73-60
www.haev.de
"Impfungen stärker in Hausarztpraxen bündeln" - Bundesverband kritisiert Referentenentwurf eines Gesetzes zur Apothekenreform
Berlin, 14. Juni 2024. „Dass zukünftig Apotheken alle möglichen Impfungen – von der Tetanus- bis zur FSME-Impfung – anbieten können, ist eine Sackgasse und wird nicht dazu führen, dass die Impfquoten steigen", erklären Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier mit Blick auf den jetzt bekanntgewordenen Referentenentwurf eines Gesetzes zur Apothekenreform.
Diese Rechnung werde nicht aufgehen, so die beiden Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes. "Das zeigt die sehr geringe Anzahl an Corona- und Grippeimpfungen, die in den letzten Jahren in den Apotheken durchgeführt wurden – und das, obwohl massiv hierfür geworben wurde", so Buhlinger-Göpfarth und Beier. Hinzu komme, dass der allergrößte Teil der Apotheken keine Impfungen anbiete. Das sei auch nachvollziehbar, denn die Apotheken seien in aller Regel mit ihren Kernaufgaben mehr als ausgelastet. "Statt aus diesen Fakten die richtigen Schlüsse zu ziehen, plant der Gesetzgeber das Impfangebot in den Apotheken nun sogar massiv auszuweiten", kritisieren die Bundesvorsitzenden.
Dabei mangele es nicht an Angeboten: "In Deutschland gibt es mehrere zehntausend Praxen, zu denen Patientinnen und Patienten gehen und sich impfen lassen. Das Problem ist, dass es zu häufig keine klaren Verantwortlichkeiten gibt. Deswegen plädieren wir seit jeher dafür, die Impfungen stärker in den Hausarztpraxen zu bündeln", betonen Buhlinger-Göpfarth und Beier. So könne sichergestellt werden, dass jemand den Gesamtüberblick über notwendige oder auch fehlende Impfungen habe. Dass diese Bündelung der Verantwortung funktioniere, zeigten die Zahlen aus der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV): Laut Erhebungen von Krankenkassen seien die Impfquoten in der HZV knapp zehn Prozent höher als in der Regelversorgung. "Wenn hingegen alle ein bisschen impfen, ist am Ende niemand wirklich verantwortlich", so die Kritik.
"Besser wäre es, die Beratungskompetenz der Apotheken stärker zu nutzen und einen festen Prozess zu etablieren, wie Impflücken auch durch die Apotheken erkannt werden können, um die Betroffenen im Anschluss strukturiert in die Praxen zu vermitteln. Dies wäre der deutlich zielführendere Weg und würde gleichzeitig auch den administrativen Aufwand für die Apotheken reduzieren", erklären Buhlinger-Göpfarth und Beier.
Pressekontakt: