Krankenhausreform: Wer Leistungsgruppen verteilt, muss Weiterbildung sichern
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen und Marburger Bund Hessen fordern verbindliche Weiterbildungswege
Kriftel/Frankfurt, 8. Oktober 2026 – Die Krankenhausreform wird die Kliniklandschaft in Hessen verändern: Über so genannte Leistungsgruppen wird künftig festgelegt, welche medizinischen Leistungen ein Krankenhaus anbieten darf. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen und der Marburger Bund Hessen warnen davor, dabei die ärztliche Weiterbildung nicht aus dem Blick zu verlieren. Wer Krankenhausstrukturen verändere, müsse gleichzeitig sicherstellen, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung verlässlich fortsetzen und abschließen können.
Aus Sicht der beiden Verbände müssen deshalb bereits bei der Neuordnung der Krankenhausstrukturen verbindliche Lösungen für die Weiterbildung geschaffen werden. Dazu gehören insbesondere:
- Weiterbildungskooperationen verbindlich machen: Krankenhäuser müssen sich dort zusammenschließen, wo vollständige Weiterbildungswege nur gemeinsam möglich sind – unter Einbeziehung des ambulanten Bereichs.
- Weiterbildungsverbünde rechtssicher und finanzierbar machen: Rotationen brauchen klare arbeitsrechtliche Regeln, verlässliche Plätze und eine finanzierte Koordination.
- Weiterbildungsfolgen bei jeder Leistungsgruppenentscheidung prüfen: Nicht nur Versorgung und Fallzahlen, sondern auch die Auswirkungen auf laufende Weiterbildungen müssen berücksichtigt werden.
- Laufende Weiterbildungen absichern: Wer bereits begonnen hat, braucht eine verbindliche Perspektive, wo und wie die Weiterbildung fortgesetzt und abgeschlossen werden kann.
„Ärztliche Weiterbildung zu klein gedacht“
Jörg Focke, 2. Stellvertretender Vorsitzender des Marburger Bundes Hessen, betont die Bedeutung verlässlicher Strukturen: „Bei der Krankenhausreform wurde auf Bundesebene die ärztliche Weiterbildung bisher zu klein gedacht. Auf Landesebene wurde immerhin schon einiges getan. Wird das reichen? Die jungen Kolleginnen und Kollegen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Strukturierte Positionspapiere zu Weiterbildungsverbünden und zur Weiterbildung liegen auf dem Tisch. Jetzt gilt es, sie umzusetzen. Denn die fachärztliche Weiterbildung ist gleichzeitig Versorgungspolitik.“
„Verbundweiterbildung funktioniert“
Dass verbindliche Verbundstrukturen funktionieren können, zeigt nach Ansicht des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. „Verbundweiterbildung funktioniert – wir organisieren sie in der Allgemeinmedizin seit Jahren zwischen Praxen und Kliniken. Aber nur, wenn jemand koordiniert, wenn Plätze wirklich frei sind und Anleitung Zeit bekommt“, sagt Christian Sommerbrodt, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen. „Eine besetzte Stelle ist noch keine Weiterbildung. Wer Fachärztinnen und Fachärzte will, muss die Menschen finanzieren, die sie weiterbilden.“
Mehr als 7.000 Weiterzubildende brauchen Planungssicherheit
In Hessen befinden sich mehr als 7.000 Ärztinnen und Ärzte in Gebietsweiterbildung, rund 80 Prozent arbeiten im stationären Bereich. Sie tragen schon heute einen erheblichen Teil der Versorgung – und sie sind die Fachärztinnen und Fachärzte, die Hessen morgen in Klinik und Praxis braucht.
Für Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen und Marburger Bund Hessen ist deshalb klar: „Die Krankenhausreform entscheidet, wo künftig behandelt wird. Genauso verbindlich muss geregelt werden, wo und wie künftig behandeln gelehrt wird."
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Gundula Zeitz
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen e. V.
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Maria Hummel
Pressesprecherin Marburger Bund, Landesverband Hessen
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