GKV-Stabilisierung: Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen warnt vor Fehlsteuerung – „Gezielte Reformen statt pauschaler Einschnitte“
Die hessischen Hausärztinnen und Hausärzte unterstützen das Ziel, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Sie warnen jedoch davor, ausgerechnet die Primärversorgung unter Sparzwang zu stellen. Einschnitte in diesem Bereich könnten langfristig zu höheren Kosten und Versorgungsproblemen führen.
Hattersheim, 31. März 2026 – Die aktuell diskutierten Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit zur Stabilisierung der GKV-Finanzen greifen aus Sicht des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen (HAEV) zu kurz. Finanzielle Konsolidierung sei notwendig, dürfe aber nicht zulasten der Versorgungsstruktur gehen, die Patientinnen und Patienten im Alltag steuert, Behandlungen koordiniert und dadurch auch unnötige Kosten vermeidet, betont der Vorsitzende des HAEV, Christian Sommerbrodt. Mit Blick auf den demografischen Wandel und die steigende Zahl chronisch Erkrankter werde die steuernde Funktion der Hausärztinnen und Hausärzte weiter an Bedeutung gewinnen.
Unterschiedliche Funktionen im Versorgungssystem berücksichtigen
„Wer ein hausärztliches Primärversorgungssystem will, darf Hausarztpraxen nicht gleichzeitig zum Sparfeld erklären“, so Sommerbrodt. „Pauschale Maßnahmen greifen zu kurz, weil sie die unterschiedlichen Funktionen im Versorgungssystem nicht berücksichtigen.“ Aus Sicht des HAEV Hessen kommt es jetzt auf eine differenzierte Steuerung an.
Der Verband nennt fünf zentrale Punkte:
- Differenzierte statt pauschaler Maßnahmen: Die Steuerungsfunktion der Hausarztpraxen muss in Reformüberlegungen berücksichtigt werden.
- Systemanker stärken: Hausärztliche Versorgung ist die tragende Struktur eines funktionierenden Primärversorgungssystems und sichert die wohnortnahe Versorgung – insbesondere bei chronisch kranken und älteren Menschen.
- Effizienzpotenziale nutzen statt kurzsichtig sparen: Kürzungen in der Primärversorgung führen langfristig zu höheren Folgekosten.
- Verlässliche Finanzierung sichern: Mehr Aufgaben bei gleichzeitigem Wegfall von Vergütung schwächen die ambulante Versorgung.
- Strukturreformen gezielt umsetzen: Prävention stärken, Fehlanreize abbauen und versicherungsfremde Leistungen steuerfinanzieren.
„Mehr Verantwortung braucht Refinanzierung“
„Mehr Verantwortung braucht Refinanzierung. Hausarztpraxen sichern durch Beratung, Verlaufskontrolle und Langzeitbegleitung Qualität und Patientensicherheit – das kann man nicht gleichzeitig ausbauen und finanziell abwerten“, so Sommerbrodt. „Prävention und Strukturreformen funktionieren nur mit Hausärzten. Hausarztpraxen sind der zentrale Ort für Früherkennung, Beratung und die langfristige Begleitung chronischer Erkrankungen“, ergänzt der Hausarzt aus Wiesbaden.
Positiv bewertet der HAEV Hessen Ansätze zur Stärkung der Prävention, etwa durch höhere Abgaben auf Alkohol, Tabak und zuckergesüßte Getränke – vorausgesetzt, die Mittel fließen gezielt in Prävention und Versorgung zurück. Ebenso sei es überfällig, versicherungsfremde Leistungen regelhaft aus Steuermitteln zu finanzieren, betont Sommerbrodt.
Sein Fazit: „Eine nachhaltige Stabilisierung der GKV-Finanzen erfordert gezielte Reformen. Eine starke hausärztliche Versorgung ist dafür eine zentrale Voraussetzung.“
Pressekontakt:
Gundula Zeitz
Pressereferentin Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen
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