Berlin, 18.03.2022 –
Der Deutsche Hausärzteverband reagiert mit maximalem Unverständnis auf die Ankündigung der gematik, dass 130.000 Konnektoren in den Praxen ausgetauscht werden müssen. „Die never ending story Telematikinfrastruktur ist um eine weitere Grusel-Geschichte reicher. Spätestens jetzt hat die gematik jegliches Vertrauen der Hausärztinnen und Hausärzte verloren“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt.
Die gematik hat angekündigt, dass ein Konnektorenwechsel in den Arztpraxen notwendig sein
wird. Hintergrund ist, dass ab 2022 für erste Konnektoren die maximale Nutzungszeit von fünf
Jahren abläuft. Um die Übergangszeit bis zur TI 2.0, in der keine Konnektoren mehr erforderlich
wären, zu überbrücken, sollen sie in den Praxen ersetzt werden. Die gematik hatte in der
Vergangenheit betont, dass man ohne einen Konnektorenaustausch auskommen wolle. Wann die
TI 2.0 in Betreib gehen kann, ist unklar.
„Der Hardware-Tausch bedeutet erneut einen erheblichen Mehraufwand in den Praxen.
Die Installation der ersten Konnektoren verlief vielerorts katastrophal. Dass den Kolleginnen und
Kollegen dies nun erneut zugemutet wird, ist kaum zu fassen – gerade in einer Zeit, in der die
Hausärztinnen und Hausärzte ohnehin auf dem Zahnfleisch gehen. Die Kolleginnen und Kollegen
sind nicht mehr bereit, ständig die Leidtragenden des Digitalisierungsversagens im deutschen
Gesundheitswesen zu sein“, so Weigeldt weiter.
Es ist damit zu rechnen, dass der Konnektorentausch mit hohen Kosten in dreistelliger
Millionenhöhe verbunden ist. „Die Telematikinfrastruktur bietet bisher keinen spürbaren
Mehrwert für Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte, denn die Anwendungen
funktionieren im Praxisalltag schlichtweg nicht. Dass in Zeiten knapper Kassen jetzt noch einmal
viel Geld in die Hand genommen werden muss, um diese Infrastruktur am Leben zu halten, ist
skandalös”, so Weigeldt. „Eins ist ganz klar: Die Hausärztinnen und Hausärzte sind nicht bereit,
auch nur einen zusätzlichen Euro zu dem Konnektorenwechsel beizusteuern.
Die Verantwortlichen müssen sich überlegen, wo sie das Geld hernehmen wollen – von uns
jedenfalls nicht!“ Der Deutsche Hausärzteverband fordert von der gematik, sich zeitnah detailliert zu der Situation
zu erklären: „Die Kommunikation der gematik ist mal wieder desolat. Die Ärztinnen und Ärzte
und auch wir als Verband und Mitglied des gematik-Beirats erfahren im besten Fall über Umwege
von den Plänen der selbsternannten Nationale Agentur für Digitale Medizin”.