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Forum Hausärztinnen: Fortbildung, Austausch und klare Vorschläge für die Weiterbildung

Lich, 19.9.2026 - Wie lassen sich rheumatologische Erkrankungen in der Hausarztpraxis früh erkennen und gut versorgen? Und was braucht es, um Machtmissbrauch und sexuelle Grenzverletzungen in der ärztlichen Weiterbildung besser zu verhindern? Mit diesen beiden sehr unterschiedlichen, aber gleichermaßen praxisrelevanten Themen beschäftigte sich das Forum Hausärztinnen bei seinem jüngsten Treffen in Lich.

Fortbildung, kollegialer Austausch und die gemeinsame Arbeit an Themen, die Ärztinnen im Berufsalltag besonders betreffen: Dafür steht das Forum Hausärztinnen im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen. Beim Treffen am 19. September in Lich verbanden die Teilnehmerinnen erneut medizinische Fortbildung mit einer intensiven internen Arbeitssitzung.

Rheumatologie: früh erkennen, richtig handeln

Den Auftakt machte Dr. Katrin Richter-Bastian, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie vom RheumaTeam Lahn-Dill-Siegerland, mit einer Fortbildung zur „Rheumatologie in der hausärztlichen Versorgung“. Im Mittelpunkt standen wichtige rheumatologische Krankheitsbilder, ihre frühzeitige Erkennung und die Frage, was Hausärztinnen und Hausärzte diagnostisch und therapeutisch bereits leisten können, bevor ein rheumatologischer Termin zur Verfügung steht.

Fortbildung, Austausch und gemeinsame Anliegen: Das Forum Hausärztinnen des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen bei seinem Treffen in Lich, von links nach rechts: Dr. Cornelia von Heusinger, Jutta Willert-Jacob, Susanne Sommer, Dr. Elke Neuwohner, Christiane Hoppe, Dr. Katharina Ekinci, Dr. Astrid Chalupa, Corinna Kertel, Monika Buchalik, Dr. Janna Berge, Dr. Carola Koch, Dr. Susanne Springborn, Nadine Spatz.

Anhand konkreter Fallbeispiele ging es unter anderem um rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis, axiale Spondyloarthritis, Polymyalgia rheumatica und infektionsassoziierte Arthritiden. Ein besonderes Augenmerk lag darauf, bei welchen Symptomen eine schnelle rheumatologische Abklärung wichtig ist – beispielsweise bei wiederholt auftretenden multiplen Gelenkschwellungen mit länger anhaltender Morgensteifigkeit, bei entzündlichem Rückenschmerz oder bei Beschwerden des Bewegungsapparates in Verbindung mit einer Psoriasis.

Was gehört in die hausärztliche Versorgung?

Auch ganz praktische Fragen für die hausärztliche Versorgung spielten eine wichtige Rolle: Welche Diagnostik ist sinnvoll? Welche initiale Therapie kann begonnen werden? Was ist bei einer möglichen Immunsuppression zu beachten? Und welche Rolle spielen Impfungen, Bewegung und weitere Präventionsmaßnahmen?

Wenn der Facharzttermin auf sich warten lässt

Deutlich wurde dabei auch ein strukturelles Problem: Die rheumatologische Versorgung stößt vielerorts an Kapazitätsgrenzen. Als mögliche Wege aus dem Engpass wurden unter anderem eine engere Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin und Rheumatologie, Rheuma-Netzwerke, digitale Konsile und eine stärkere Delegation an speziell qualifizierte Fachassistenzen vorgestellt.

Machtmissbrauch und sexuelle Grenzverletzungen in der Medizin

Im anschließenden internen Teil des Treffens widmete sich das Forum einem anderen, nicht minder wichtigen Thema: Machtmissbrauch und sexuelle Grenzverletzungen in der Medizin – insbesondere während der Weiterbildungszeit.

Ausgangspunkt waren die eigenen Erfahrungen der Teilnehmerinnen im Laufe ihrer beruflichen Karriere und die Frage, wie sich der Umgang mit Hierarchien und Grenzüberschreitungen verändert hat. Zur Sprache kamen unter anderem abwertende oder unangemessene Bemerkungen, Bewertungen des Körpers, ausgeprägtes hierarchisches Verhalten sowie sexuelle Belästigung. Gleichzeitig wurde diskutiert, dass jüngere Kolleginnen und Kollegen problematische Situationen heute oftmals früher wahrnehmen und benennen.

Nicht nur benennen, sondern Strukturen verändern

Das Forum beließ es jedoch nicht bei der Bestandsaufnahme. Die Teilnehmerinnen erarbeiteten konkrete Vorschläge, wie die Qualität von Weiterbildungsabschnitten systematischer erfasst und Betroffene besser unterstützt werden könnten.

Konkrete Vorschläge für die Weiterbildung

Eine Idee ist eine verpflichtende anonymisierte Evaluation nach jedem Weiterbildungsabschnitt. Denkbar wäre beispielsweise ein standardisierter Fragebogen, in dem Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten nicht nur die fachliche Qualität, sondern auch die Arbeits- und Führungskultur beurteilen können: Wurden sie wahrgenommen und respektiert? Wie wurde mit Hierarchien umgegangen? Gab es Grenzverletzungen oder sexuelle Belästigung?

Ebenso wichtig ist aus Sicht des Forums, bereits zu Beginn der Weiterbildung transparent über vorhandene Anlauf- und Beratungsstellen zu informieren. Diskutiert wurde zudem, welche Konsequenzen bei bestätigtem Fehlverhalten möglich sein sollten – bis hin zu einem zeitweisen Ruhen der Weiterbildungsermächtigung.

Die erarbeiteten Vorschläge will das Forum nun bei der Landesärztekammer Hessen sowie bei den zuständigen Gremien der Kassenärztlichen Vereinigung beziehungsweise des Weiterbildungsausschusses einbringen.

Weitere Themen bereits geplant

Auch die kommenden Treffen sind bereits in Vorbereitung. Auf dem Programm stehen unter anderem Fortbildungen und Diskussionen zu Endometriose, Transgender-Medizin und Verhandlungstechniken. Zudem wird sich das Forum beim Hausärztetag Hessen am 24. April 2027 mit einem eigenen Seminar beteiligen.

Das Treffen in Lich zeigte damit einmal mehr, was das Forum ausmacht: medizinische Fortbildung, offener kollegialer Austausch und der gemeinsame Blick auf Themen, bei denen es sich lohnt, Strukturen nicht nur zu diskutieren, sondern auch zu verändern.