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Gesundheitsreform im Fokus: Christian Sommerbrodt zu Gast im Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen

Hattersheim/Frankfurt, 12.8.2026 - Mehr als 130 Teilnehmende diskutierten online bei „Mitreden statt nur mitbekommen“ über GKV-Spargesetz, HZV, Niederlassung und die Zukunft der hausärztlichen Versorgung.

Was bedeutet die aktuelle Gesundheitspolitik für angehende Hausärztinnen und Hausärzte? Welche Folgen hat das GKV-Spargesetz für die Praxen? Und lohnt es sich unter den veränderten Bedingungen überhaupt noch, sich niederzulassen und auf die Hausarztzentrierte Versorgung zu setzen? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Gesundheitsreform. Und jetzt?“ aus der Reihe „Mitreden statt nur mitbekommen“ des Kompetenzzentrums Weiterbildung Hessen.

Das Interesse war groß: In der Spitze waren 134 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugeschaltet. Zu Gast war Christian Sommerbrodt, Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen und selbst niedergelassener Hausarzt in Wiesbaden. Moderiert von Dr. med. Maximilian Philipp, Mitglied des Leitungsteams des Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, entwickelte sich nach dem Vortrag eine lebhafte Diskussion mit Fragen aus dem Kreis der Teilnehmenden.

Was kommt auf die Hausarztpraxen zu?

Sommerbrodt ordnete zunächst das GKV-Spargesetz und die weiteren gesundheitspolitischen Reformvorhaben ein. Das Finanzierungsproblem der gesetzlichen Krankenversicherung sei real. Die politische Antwort darauf treffe jedoch gerade auch die ambulante Versorgung erheblich: Rund drei Milliarden Euro sollen allein 2027 im ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Bereich eingespart werden.

Für Hausarztpraxen hat das ganz konkrete Folgen. Unter anderem wird die erst eingeführte Entbudgetierung ab 2027 finanziell begrenzt. Auch einzelne Vergütungen fallen weg. So ist die zusätzliche Vergütung für die Befüllung der elektronischen Patientenakte bereits seit Ende Juli gestrichen, ab 2027 entfällt unter anderem die Vergütung für den Hausarztvermittlungsfall.

Auch die HZV bleibt von den Sparmaßnahmen nicht unberührt: Künftige Vergütungssteigerungen werden stärker begrenzt, zudem greift das Gesetz bei zusätzlich eingeschriebenen Versicherten ein.

„Die HZV bleibt das bessere System“

Entsprechend wichtig war eine Frage, die viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz unmittelbar beschäftigte: Lohnt es sich unter diesen Bedingungen überhaupt noch, Patientinnen und Patienten in die HZV einzuschreiben?

Sommerbrodts Antwort darauf war eindeutig: Ja.

Die HZV bleibe auch unter den neuen Rahmenbedingungen das bessere Versorgungssystem und sei weiterhin attraktiver vergütet als die Regelversorgung im EBM. Bestehende Verträge und vereinbarte Vergütungen blieben erhalten; eingeschränkt werde vor allem die Dynamik künftiger Anpassungen.

Deshalb sei es auch weiterhin sinnvoll, neue Patientinnen und Patienten in die HZV einzuschreiben. Gerade für junge Hausärztinnen und Hausärzte, die über eine Niederlassung oder Praxisübernahme nachdenken, bleibe eine hohe HZV-Quote eine wichtige wirtschaftliche Stellschraube.

Genau hinschauen bei der Niederlassung

In der Diskussion ging es deshalb auch um sehr konkrete Fragen der Niederlassung und Praxisführung. Sommerbrodt empfahl jungen Ärztinnen und Ärzten, bei einer Anstellung oder Praxisübernahme gezielt auf die wirtschaftliche und organisatorische Struktur der Praxis zu schauen. Wichtig sei beispielsweise: Wie setzt sich der Umsatz aus KV- und HZV-Leistungen zusammen? Wie hoch sind Fallwert und Personalkostenquote? Wie ist das Team aufgestellt – und welche freien Kapazitäten gibt es?

Denn die wirtschaftliche Stabilität einer Praxis werde künftig noch stärker davon abhängen, mehrere Standbeine miteinander zu verbinden: neben Kollektivvertrag und HZV beispielsweise DMP, Kooperationen sowie eine gute Teamstruktur und Delegation.

Die Weiterbildung selbst wird durch das GKV-Spargesetz nicht unmittelbar gekürzt: Die Förderung nach § 75a SGB V bleibt bestehen. Unter zunehmendem Mengendruck könne allerdings gerade die Zeit knapp werden, die Weiterbildende für Anleitung und Supervision benötigen.

Hausärztliche Versorgung wird noch wichtiger

Zugleich machte Sommerbrodt deutlich, dass die Bedeutung der Allgemeinmedizin weiter wachsen dürfte. Mit dem geplanten Primärversorgungssystem sollen Hausarztpraxen künftig noch stärker Steuerung, Koordination und Langzeitversorgung übernehmen. Wie das konkret ausgestaltet und finanziert wird, ist allerdings noch offen.

Seine Forderung ist deshalb klar: Wer zusätzliche Steuerungsaufgaben übernehmen soll, braucht dafür auch zusätzliche Ressourcen. Mehr Verantwortung ohne mehr Kapazität könne keine tragfähige Reform sein.

Mitreden statt nur mitbekommen

Dass die Rahmenbedingungen ärztlicher Arbeit nicht allein in der Praxis entstehen, war ein weiterer Schwerpunkt des Abends. Honorarverteilung, Weiterbildungsordnung, Bedarfsplanung oder HZV-Verträge werden in Politik, Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärztekammern und Berufsverbänden gestaltet.

Sommerbrodt ermutigte deshalb gerade den hausärztlichen Nachwuchs, sich frühzeitig zu informieren und einzumischen. Wer später Verantwortung für die Versorgung übernehmen soll, sollte auch dort eine Stimme haben, wo die Bedingungen dafür festgelegt werden.

Passend dazu stellte Dr. Anna-Karolina Hägele zu Beginn der Veranstaltung die AG Weiterbildung im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen vor. Sie vertritt die Interessen von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Quereinsteigenden und jungen Fachärztinnen und Fachärzten. Die AG setzt sich unter anderem für bessere Rahmenbedingungen in Weiterbildung und hausärztlicher Tätigkeit ein, fördert die Vernetzung untereinander und will den Anliegen des hausärztlichen Nachwuchses innerhalb des Verbandes mehr Gewicht geben.

Der große Zuspruch und die intensive Diskussion zeigten: Der Informations- und Gesprächsbedarf ist hoch. Genau darum ging es an diesem Abend – gesundheitspolitische Veränderungen nicht nur mitzubekommen, sondern sie zu verstehen, zu diskutieren und sich einzubringen.

Sie haben Interesse an der AG Weiterbildung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen und möchten sich einbringen? Dann wenden Sie sich gerne an:

Dr. med. Anna-Karolina Hägele
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Sophia Lomiento
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