Forum Hausärztinnen: vernetzt, engagiert, zukunftsorientiert
Lich, 27.9.2025 - Fachlicher Austausch, Fortbildung und strategische Planung standen im Mittelpunkt eines Treffens der Mitglieder des Forums Hausärztinnen in Lich-Arnsburg. Die Teilnehmerinnen wählten Susanne Sommer zur Forums-Sprecherin und Dr. Elke Neuwohner zu ihrer Stellvertreterin. Weitere gewählte Forumsmitglieder sind Petra Hummel, Corinna Kertel, Susanne Springborn. Zu Beginn des Treffens beschäftigten sich die Teilnehmerinnen mit dem Thema Osteoporose – in einem Pharmakotherapie-Qualitätszirkel (PTQZ) mit Günter Stephan.
Der Referent stellte die Definition und Epidemiologie der Osteoporose dar: Sie ist eine systemische Skeletterkrankung mit Verringerung der Knochenmasse und Störung der Mikroarchitektur, die zu erhöhter Frakturanfälligkeit führt. Epidemiologisch sind mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen, Frauen nach der Menopause deutlich häufiger. Der WHO-T-Score < –2,5 am proximalen Femur definiert die manifeste Osteoporose. Rund 70 % der Patientinnen und Patienten werden nicht leitliniengerecht behandelt – ein zentrales hausärztliches Versorgungsproblem.
Kernaussagen des Vortrags:
- Frühzeitige Risikoabschätzung mit validierten Scores ist Grundlage jeder Diagnostik.
- Basismaßnahmen (Bewegung, Vitamin D, Kalzium) sind unverzichtbar.
- Dokumentation von Therapiebeginn und -dauer sichert Verlaufskontrolle.
- Reevaluation nach 3–5 Jahren notwendig.
- Osteoanabole Therapie immer mit antiresorptiver Folge.
Voraussetzung für die DMP-Teilnahme ist die regelmäßige Teilnahme an einem strukturierten Osteoporose-Qualitätszirkel mit Haus- und Fachärzten der Region (Anlage 1 zur DMP-Vereinbarung § 137f SGB V). Bis Jahresende bietet der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hessen noch fünf Online-PTQZ zum Thema Osteoporose an.
Im Anschluss folgten Rückblick, Wahlen und Diskussionen zur Weiterentwicklung des Forums.
Am Nachmittag stellte Susanne Springborn das sektorenübergreifende Versorgungsmodell CURRANDUM vor, das seit 2017 im Wiesbadener Osten für etwa 21 000 Menschen etabliert ist. CURANDUM ist ein innovatives, gemeinnützig getragenes Modell, das die hausärztliche Primärversorgung strukturell unterstützt und insbesondere die Koordination komplexer Versorgungssituationen stärkt.
Zentrales Element ist die von der hausärztlichen Praxis beauftragte qualifizierte Versorgungskoordination, die bei Patientinnen und Patienten mit erhöhter Bedarfslage tätig wird. Die begründende Diagnose ist hierbei R54 (G) – senile Gebrechlichkeit. Die Versorgungskoordination wird nicht durch die Hausarztpraxis selbst finanziert, sondern durch einen gemeinnützigen Träger bereitgestellt. Dadurch erfolgt eine deutliche Entlastung der Praxen, insbesondere in strukturschwachen und unterversorgten Regionen. Es unterstützt den Transitionsprozess zu größeren Strukturen, wie beispielsweise zu HÄPPI.
Das Modell dokumentiert wissenschaftlich die bestehende Versorgungskoordinationslücke und wie diese durch das Modell geschlossen wird, die durch die Versorgungskoordination anfallende Zeit, die Kosten und die Wirksamkeit. Aktuell wird CURANDUM vom Land Hessen und der Landeshauptstadt Wiesbaden gefördert und erwirtschaftet ein jährliches Budget von rund 360 000 Euro.
Ziel ist, CURANDUM künftig analog zur SAPV (Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung) an das SGB V anzubinden, um eine dauerhafte, flächendeckende Strukturförderung zu ermöglichen. Dazu soll das Modell dem Vorstand des HHÄV Hessen vorgestellt werden. Bei positivem Votum soll ein Empfehlungsschreiben des Verbandes zur weiteren politischen und gesundheitspolitischen Positionierung erstellt werden, um die Anschlussfähigkeit gegenüber Krankenkassen, Kommunen und gemeinnützigen Trägern zu stärken.
Zudem legten die Teilnehmenden die PTQZ-Termine 2026 und weitere Veranstaltungen fest, darunter Fortbildungen zu Antibiotika, Klimakterium und rheumatischen Erkrankungen. In der Abschlussrunde zeigten sich die Teilnehmerinnen zufrieden über den gelungenen Tag, die konstruktive Atmosphäre und die starke Präsenz des Forums im HHÄV-Vorstand.
Save the Date - Fortbildungen und Treffen des Forums Hausärztinnen des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Hessen
- Di., 20.01.2026, 19:30 Uhr, Online (Zoom): Strategietreffen Forum Hausärztinnen, Organisation: Susanne Sommer
- Mi., 04.03.2026, 19:30 Uhr, Online (Zoom): Antibiotika und Resistenzen, Referent Nils von Hentig
- Sa.,18.04.2026, vormittags, Hausärztinnen- und Hausärztetag Hessen: Klimakterium und bioidentische Hormone, Referent/in N.N.
- Sa., 18.04.2026, vormittags, Hausärztinnen- und Hausärztetag Hessen: Besonderheiten der Herzerkrankungen bei Frauen / Herzinsuffizienz, Referent/in N.N.
- Sa., 18.04.2026, 13:30 Uhr, Hausärztinnen- und Hausärztetag Hesse: COME ON, COME IN – Forum Hausärztinnen HHÄV Hessen stellt sich vor,
Organisation: Forum Hausärztinnen HHÄV Hessen - Sa.,12.09.2026, 10:00 Uhr, Landhaus Klosterwald, Am Klosterwald 1, 35423 Lich–Arnsburg: Rheumatische Erkrankungen, Referent Mirko Steinmüller